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Davor und Danach

 

Dieses Buch ist mehr. Es bewegt, beeindruckt und wühlt auf ! Unglaublich!

ISBN: 978-3-7915-0100-0

Preis: 19,00 €

Autorin: Nicky Singer

Format: Paperback

Reihe: Einzelband

Erscheinungstag: 21.01.2019

Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren

Verlag: Dressler

Genre: Dystopie

Rezensionsexemplar: Nein

Wo kann ich es kaufen: Amazon, Thalia, Hugendubel

 

 

Klappentext:

Was zählt, wenn die Welt am Abgrund steht? Verändern Klimawandel und Flucht unsere Menschlichkeit?

Die 14-jährige Mhairi lebt in einer Welt in der es zu viele Menschen gibt und Wasser nur noch im Norden zu finden ist. Sie besitzt zwei Dinge: einen Revolver und ihre Papiere. Ihr einziges Ziel ist es, zu überleben. Dank ihrer Papiere wird es Mhairi bis in den Norden schaffen. Hoffentlich. Doch dann trifft sie kurz vor dem Grenzpunkt einem kleinen Jungen. Ist sie bereit, alles für ihn zu riskieren?

Spannend, politisch und hochaktuell – dieser Roman von Nicky Singer ist so brisant wie die Jugendbücher „Die Wolke“ oder „Nichts“ von Janne Teller. Eine berührende Geschichte über Klimawandel, Überbevölkerung und den Umgang mit Flüchtlingen.

 

Meinung:

Der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt bei dem Thema Menschlichkeit. Empathie, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit … in einer Welt, in der Ressourcenknappheit herrscht und Menschen aus lebensfeindlichen Gebieten fliehen, in der Hoffnung im Norden nicht an Hunger sterben zu müssen, sind diese Eigenschaften bei den Menschen Mangelware und auch die junge Mhairi, die Protagonistin, muss tagtäglich entscheiden wie viel Mensch in ihr noch steckt.

Schon allein die erste Seite dieses Buches hat mich komplett gepackt. Die kurzen, pragmatischen Sätze spiegeln perfekt die Atmosphäre der kalten Welt wieder, in der Mhairi um das Überleben kämpft. Das Buch ist geschrieben aus der Ich-Perspektive und Mhairi hält sich nicht auf mit bildhaften Beschreibungen, warum auch, wenn das Leben für sie kaum mehr zu bieten hat, außer Durst, Hunger und Angst. Die Leser begleiten das junge Mädchen nicht von Anfang an, als sie die Reise vom Sudan nach Schottland, ihrer Heimat, antritt, sondern erst als sie auf einen kleinen Jungen trifft. Dennoch wird im Verlauf der Geschichte jedes schlimmes Ereignis, dass sie zuvor erlebt hat Stück für Stück aufgedeckt. Das Mädchen ist stark von der Vergangenheit geprägt und hat gelernt, sich nur auf sich selbst verlassen zu können. So etwas wie Nächstenliebe ist ihr fremd geworden. Da ist es auch kein Wunder, dass sie den 6-jährigen Jungen, der vollkommen auf sich allein gestellt ist, keine Hilfe anbietet. 

Wie schon oben erwähnt ist die Stimmung dieser Welt von der Autorin sehr gut aufgegriffen worden. Dafür sind verantwortlich zum einen die kurzen Sätze, die eine spezielle Kälte und auch Hektik in die Gedankengänge von der Protagonistin bringen und zum anderen gibt es auch eine Vielzahl an Aufzählungen, die von Mhairi heruntergerattert werden und mir so deutlich gemacht haben, dass es in dieser gefährlichen Welt keine Zeit gibt, sich mit langen Ausführungen und Erklärungen aufzuhalten. Die Protagonistin ist sehr berechnend, schlau und kühl, hat aber auch Stärke und Durchhaltevermögen, alles Eigenschaften, die man zum Überleben braucht. Mhairi hat sich bestimmte Strategien angeeignet, die dafür da sind, um nicht an den schlimmen Erlebnissen zu zerbrechen. Eine davon ist es, die grausamen Erinnerungen in eine Festung zu schließen und so werden viele Gedankengänge, die in eine falsche Richtung verlaufen mit dem Wort FESTUNG unterbrochen. Außerdem betrachtet sie die Zeit anders, als andere Menschen und mich haben die Erklärungen dazu ziemlich beeindruckt. Sehr tiefgründig. 

Die Welt an sich ist nur schemenhaft gezeichnet, da es kaum Hintergrundinformationen oder Beschreibungen gibt. Dies löste in mir aber das Gefühl aus, dass die Hauptfigur einfach immer in Bewegung sein musste und vollkommen fixiert war auf ihr Ziel: Schottland. Sie selber macht eine starke Entwicklung durch, und obwohl sie durch ihre Verluste und Erfahrungen, ihr Herz für andere verschloss, schafft es ein Junge, dass sie sich wieder öffnet. Das stumme Kind, dass keine Papiere besitzt und nicht im Norden geboren worden ist, hat eigentlich keine Chance sie bis nach Schottland zu ihrer Großmutter zu begleiten. Doch die Hoffnung der beiden stirbt zuletzt. Mhairi beginnt für den Jungen wieder mehr sie selbst zu sein und sich für andere stark zu machen. Sie setzt sich für den Jungen ein und mit ihrer kindlichen Sichtweise stellt sie die Politik in dieser Welt in vollkommen in Frage.

Das Ende hat mich sehr aufgewühlt und zu Tränen gerührt. Es hat in mir etwas verändert.  Fünf Blumen für diese beeindruckende Geschichte. 

 

 

 

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